Presseartikel aus den lokalen Zeitungen zum Januar-Hochwasser
Döbelner Anzeiger vom 15.01.2011
Das Hochwasser hat in der Region gestern bedrohliche Ausmaße angenommen. Allein Döbeln gab 4000 Sandsäcke aus.
Bei Jürgen und Anita Florig wurden gestern wieder Erinnerungen wach. Das Ehepaar räumte am Nachmittag ihr Juweliergeschäft am Niedermarkt leer. „Und danach fahren wir gleich nach Hause“, sagt Anita Florig, den Tränen nahe. Denn beim Hochwasser 2002 wurde das Ehepaar in ihrem Geschäft von den Fluten eingeschlossen. Dieses Mal seien die Warnungen von allen Seiten gekommen. Von der Feuerwehr hat das Paar Sandsäcke bekommen, die sie vor die Tür stapeln. „Das hat prima funktioniert“, lobt Jürgen Florig die Organisation der Stadt. 4000 Säcke hat die Stadt bis zum Abend ausgegeben.
Nebenan in der Rosenapotheke beobachtet Stefan Leutert die Pegel auf der Internetseite des Landeshochwasserzentrums. Im Geschäft sind die unteren Regale alle leer geräumt. „Heute 13 Uhr haben wir damit angefangen. Kisten für diesen Fall sammeln wir aber schon lange“, so der Apotheken-Chef.
Baustelle wird gesichert
Einfach alles hoch stellen würde auch gern Kay Dathe vom Fitness-Studio an der Ritterstraße. Platz für die Trainingsgeräte wäre im Parkhaus. „Aber schwer sind sie“, so Dathe. Darum überlegt das Team noch und beobachtet weiter, was auf der Baustelle gegenüber passiert.
Dort ist Ivonne Wohland von der Landestalsperrenverwaltung schon den ganzen Tag vor Ort. Das Wasser, dass hinter die Mauer läuft, wird abgepumpt. „Am Tiefpunkt setzen wir noch eine zweite Reihe Big Packs“, erklärt Wohland. Auch der Nadelbaum, der eigentlich noch bis zum nächsten Bauabschnitt stehen bleiben sollte, musste gestern schon gefällt werden. „Damit er nicht weggespült wird“, erklärt Wohland. Auf der gegenüberliegenden Seite an der Staupitzstraße haben die Arbeiter am Tiefpunkt der Straße in den vergangenen Tagen noch die letzten Lücken der Mauer gefüllt. Genau rechtzeitig. Um 16.30 Uhr war nur noch einen halben Meter Platz, bis die Mulde über die Ufer getreten wäre. Knapp über Alarmstufe 3 stieg der Pegel am Abend nicht weiter an. Zu diesem Zeitpunkt begann die Mulde, die Straße zum Klärwerk in Masten zu überspülen. Sie musste für den Verkehr gesperrt werden.
An der Talsperre Kriebstein musste immer wieder Wasser abgelassen werden. „Im Moment ist der Pegel in Lichtenwalde noch steigend. Ich werden den Durchlass gleich nochmal öffnen“, so Elektromeister Jörg Kupsch gegen 18.30 Uhr. Er gehe jedoch davon aus, dass der Zufluss in den späten Abendstunden abnimmt.
Der Waldheimer Bürgermeister Steffen Blech hatte schon am Vormittag damit begonnen, in der Altstadt von Geschäft zu Geschäft zu gehen und die Eigentümer über die Hochwasserlage an der Zschopau zu informieren. „Die Pegel steigen im Erzgebirge noch. Ich habe einen Bekannten in Flöha, der gibt mir Bericht. Die Situation ist etwa wie im März 2005. Da kletterte der Pegel auf 3,20 Meter“, so Blech. Häuser stehen bei diesem Wasserstand in Waldheim noch nicht unter Wasser. Keller können da aber schon mal volllaufen. Am Vormittag galt in Waldheim Warnstufe 2. Am Nachmittag klettert der Pegelstand bis Warnstufe 3.
Durch den Zufluss aus der Zschopau steigt der Pegel in Leisnig bis zum Abend auf 5,52 Meter – acht Zentimeter vor der Alarmstufe 4. In Wiesenthal am Feuerwehrdepot hatten Feuerwehr und Gemeindemitarbeiter am Nachmittag Sandsäcke für Betroffene gefüllt. „Wir haben alle gewarnt“, erklärt der stellvertretende Wehrleiter Mario Näther. Nun müsse man den Pegel weiter beobachten.
800 Sandsäcke für Leisnig
Die Straße von Rötha nach Podelwitz und Altleisnig musste bereits gesperrt werden. „Der Deich in Altleisnig ist überflutet“, sagt Uwe Dietrich vom Ordnungsamt Leisnig. Die Wasserwehr, bestehend aus Mitarbeitern der Stadt, der Feuerwehr und des Bauhofes, sei mehrere Stunden im Einsatz gewesen. „Wir haben 800 Sandsäcke gefüllt und den Großteil verteilt“, so Dietrich. Meist müssen Kellerfenster und Garagen damit abgedichtet werden. Gärten von Flussanliegern sind überflutet. „Häuser selbst sind bis jetzt nicht direkt betroffen“, sagt Dietrich. Da der Pegel in Kriebstein auch am Abend weiter steigt, rechnet er damit, dass vielleicht sogar die Alarmstufe 4 erreicht wird.
In Roßwein ist die Mulde bis zur Alarmstufe 2 geklettert. Teile der Uferpromenaden stehen unter Wasser. Bis zum späten Nachmittag steigt der Pegel um zwei Zentimeter pro Stunde. Der Krisenstab, mit Bürgermeister Veit Lindner an der Spitze, kommt regelmäßig zusammen, die Wehre werden überprüft und mehr als 300 Sandsäcke gefüllt. Das Stadtbad muss schließen, weil das Grundwasser in den Keller drückt.
Döbelner Allgemeine Zeitung vom 15.01.2011
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