Tag 2
Am zweiten Tag des Erörterungsmarathons waren die “sonstigen Beteiligten” explizit geladen. Aber nur, wenn sie auch direkt Einwände schriftlich vorgebracht haben. Die Frist dazu lief Mitte Februar diesen Jahres ab.
Die Bürger – Beteiligung morgens gegen halb 10 war auch um Einiges reicher als am Vortag.
Vorab muss ich sagen, dass es sehr unglücklich ist, dass jeder für sich allein kämpft. Das nimmt den Argumenten enorm viel Gewicht.
Selbstverständlich hat der Eigentümer der Färberhäuser ganz andere Bedenken, als die Anwohner und Hauseigentümer in der Uferstraße. Allerdings muss ich -nicht ohne Selbstkritik- feststellen, dass man sich wenigstens lokal zu Interessengemeinschaften zusammenschließen sollte.
Allerdings sind die Befindlichkeiten sehr differenziert.
Alle Anlieger betreffen nur wenige Punkte gemeinsam:
- die Gestaltung der Flutwände und des Flutgrabens
- der Flutschutz während der Bauzeit
- Dauer der Bauzeit
- Fragen zur Entschädigung für Landinanspruchnahme, Wertminderung und Einschränkungen während der Bauzeit
Zur Gestaltung wurden bislang trotz einiger massiver Einwände nur geringe Zugeständnisse gemacht. So soll die Oberfläche der Stahlbetonplatten mit Gittermatten belegt werden, welche dann wie Bruchsteinmauern aussehen sollen.
Auf das Projekt, welches kürzlich ein Preisgeld i.H.v. 20.000 EUR gewonnen hat (siehe Rubrik Presse) wird nicht eingegangen. Das Planfeststellungsverfahren wird so weiter gehen, als gäbe es diese innovativen Ideen nicht. Allerdings habe ich auch die Vertreter dieses Projektes bei den Anhörungen vermisst. Schade … der Ansatz gefiel mir sehr gut!
Kurz zum Inhalt dieses Projektes:
In Höhe bzw. unmittelbar vor dem Zusammenfluss von Mulde und Flutgraben soll ein Klappenwehr entstehen, welches das Wasser im Flutgraben anstaut.
Damit wäre auch bei Normalwasser immer ein gewisser Wasserstand im Flutgraben.
Weitergehende Gedanken spielen mit der Möglichkeit einen Bootsverkehr (z.B. mit Staak- oder Ruderbooten) zwischen Busbahnhof und Steigerhausplatz zu ermöglichen.
Auf dem Gelände der Stadtwerke soll ein Wasserrad die Gewinnung von Energie plastisch erklären.
Leider hab ich den erklärenden Zeitungsausschnitt nicht. Nehme gern Hilfe (oder auch Berichtigungen) an …
Zu den individuellen Bedenken, insbesondere zu meinen.
Der Flutgraben soll hier in der Uferstraße und weiterführend am Kaqufland vorbei die stolze Breite von 40 Metern betragen. Die drei Brücken im Döbelner Stadtgebiet über diesen Graben sind allerdings “nicht Gegenstand der Planungen”. D.h. sie bleiben wie sie sind …
Was für die Niederbrücke wegen ihres dritten Durchlassfeldes und am Autohaus Rosa-Luxemburg-Straße ob der größeren Höhe kein besonders großes Problem darstellt, ist an der Straße des Friedens (vor Kaufland) im Hochwasserfall schon aquatechnisches Verständniss ein K.O.-Kriterium. Die ankommenden Wassermassen kommen vom neugestalteten Wehr mit größerem Durchlass in den Flutgraben geleitet. Ab einer bestimmten Wassermenge in der Freiberger Mulde soll der Flutgraben ganze 2/3 dieser Menge aufnehmen. Er hat dazu aber nur gut 300 Meter Platz. Dann kommt die besagte Brücke an der ehemaligen DWVG. Die LD meint nur, dass das Problem bekannt sei und in den Planfeststellungsbeschluss einfließen wird. Die Planer von der LTV hingegen meinen, dass diese Brücke nicht ihr Eigentum ist und sie nur prüfen müssen, ob es Verschlechterungen zum vorherigen Zustand geben würde. Dies wäre nicht der Fall.
Darauf stellte ich sinngemäß folgende Frage “Es werden also 30 Millionen Euro verbaut, um den Status Quo zu erhalten?” Ich bekam ich keine Antwort.
Ich will den Leser auch nicht mit einem zu langen Artikel über alle Einzelheiten nerven. Daher nur noch ein kurzes Abschlussstatement für heute: Den Donnerstag hab ich mir geschenkt. Urlaub war eingereicht, aber da am Dienstag schon so wenig von den Vermietern und sonstigen juristischen Personen gekommen sind, erwartete ich von den Vereinen und Tragern öffentlicher Belange nicht viel Neues … Wenn überhaupt jemand erscheinen ist.
Eins noch am Rande:
Ich unterhielt mich am Donnerstag mit einem Hauseigentümer in der Staupitzstraße. Dieser wusste von gar nichts … Auf Nachfragen wurde ihm mal im Rathaus berichtet, er wäre ja auch kein direkter Anlieger an der Mulde, da noch 3 Meter Straße dazwischen sind.
